Wednesday, May 24, 2006

Kuckuck!

 Posted by Picasa

Gefühle

Gestorben wird
auch an blauen Tagen
bei jedem Wetter
Auch an blauen Tagen
bricht das Herz

Hilde Domin

Vergissmeinnicht

Fluch

Nein, du vergißt mich nicht.
Verrat ist möglich. doch Vergessen nein.
Zerstör mein Bild. Lösch mein Gesicht.
Da wo du bist, werde ich sein.
Niemals entkommst du meinen Worten.
Sie folgen dir nach als Gedicht
noch zu den fernsten fernen Orten.
Versuch es: du vergißt mich nicht.

(Eva Strittmatter)

Zwei Fallschirme

Pusteblume

Zwei kleine Fallschirme
fliegt über Frühlingswiesen

Pusteblumentraum

Friday, May 19, 2006

 Posted by Picasa

Augenblicke aus Ewigkeit

Aber ich weiss

War ich ein Falter
vor meiner Geburt
ein Baum oder
ein Stern.
Ich habe es vergessen.

Aber ich weiss
dass ich war
und sein werde
Augenblicke
aus Ewigkeit.

(Rose Ausländer)

Monday, May 15, 2006

Morgensonne

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke,
so kann ich feststellen, dass jede Phase der Dunkelheit,
jede finstere Nacht, abgelöst wurde
durch die ersten Strahlen der Morgensonne
und einen neuen Tag.
Keine Trauer drückte mich endlos nieder,
und keine Verzweiflung konnte mir die Kraft zu Leben und zum Atmen nehmen.
Ich bin dankbar, dass das Leben immer wieder
Möglichkeiten zum Wachsen und zur Veränderung gibt,
zur Heilung und zu einem Neuanfang.

unbekannt

Saturday, May 13, 2006

Ich hab ein zärtliches Gefühl

Ich hab ein zärtliches Gefühl für jeden Nichtsnutz,
jeden Kerl, der frei umherzieht ohne Ziel,
der niemands Knecht ist, niemands Herr.

Ich hab ein zärtliches Gefühl für den,
der seinen Mund auftut,
der Gesten gegenüber kühl, und brüllt,
wenn's ihm danach zumut.

Ich hab ein zärtliches Gefühl für den,
der sich zu träumen traut,
der, wenn sein Traum die Wahrheit trifft,
noch lachen kann - wenn auch zu laut.

Ich hab ein zärtliches Gefühl für jede Frau,
für jeden Mann, für jeden Menschen,
wenn er nur vollkommen wehrlos lieben kann.

Hermann Van Veen

Wednesday, May 10, 2006

Lächeln

Wo Lächeln lebt, leuchtet Gras grüner, scheint Sonne heller, duften die Blumen lieblicher. Im Lächeln erblüht die Seele, entfaltet sich Kraft, ist Vertrauen geborgen. Durch Lächeln trägt sich Last leichter, wird die Erde wohnlich, Leben beseelt.

Else Pannek, (*1932)

Friday, May 05, 2006

In Memoriam

Die Trauer Freund, macht meine Hände dumm,
Wie soll ich aus dem schwarzen Blut der Grachten Kränze
winden?
Das Leid mein Freund, macht meine Kehle stumm,
Wo bist du Freund, ich muss dich wieder finden.

Die Tränen sterben mir, denn du bist tot,
Zerbrochne Gräber, scheinen mir die Sterne.
Es fließt, es fließt der Strom der großen Not
Aus jedem Grab der unerreichten Ferne.

Ich möchte einen Mantel weben aus dem Leid
Einsamer Stunden, kann man Tote noch beschenken?
Man kann nur dankbar sein für jede Stunde Zeit
die Gott noch gibt, um liebend zu gedenken.

Irmgard Keun
(Für Joseph Roth Ein Gedächnisbuch 1949)

Innerer Frieden

Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut.

Trächtig ist er jeder Schichtung
denkerisch erfüllt und aufgespart,
mächtig ist er der Vernichtung
allem Menschlichen, das nährt und paart.

Ohne Rührung sieht er wie die Erde
eine andre ward als ihm begann,
nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde:
formstill sieht er die Vollendung an.

Gottfried Benn
(Statische Gedichte 1948)

Ein alter Traum von Liebe (Erinnerung)

Ich will
daß du vorbeigehst
und mich liebst
ohne dich umzudrehn
nach mir.
Erinnere dich an nichts
als die Liebe.
Vergiss mich.

Wolf Wondratschek