AllesAllesAlles
Alles!
Weite im Kopf
Im Herzen Welten
Die Füße auf der Erde
Will ich in die Wolken
Mein Unglück
unbeständig wie das Glück
Werfen möchte ich mich in diesen Wandel
Tanzen und reiten im Augenblick
Könnten doch Alle, Alleallealle
Glücklich sein!
In allen Welten, zu allen Zeiten
Jahrtausend Universen lang
Könnten doch Alle
wie Nomaden wandern,
wandernwandern
immer weiterziehen
Vogel werden
Himmel sein
Schwimmend ein Meer
frei und offen für Jeden
Aber immer gehen wir schlafen
mit Gedanken an kommende Jahre
glauben Alles, Allesallesalles sei für immer so!
Was würde mir fehlen ohne mein Leben?
Das Leben!
Alles!
Allesallesalles!
Könnten doch Alle,
sich wie Blütensamen
dem Wind anvertrauen
frei von morgen und gestern
wie Blitze in der Dunkelheit
Den Himmel in der Tasche Antonia Keinz 2002
Weihnachten
WeihnachtswunschWieder ist das Jahr soweit,wieder drängt in uns die Zeitzu glitzernder Rührseligkeit.Weihnachten will’s wieder werden...*und wieder Friede hier auf Erdenden unzähligen Menschenherden?*Wie oft noch wollen wir dies glauben,wie oft noch ihn uns tödlich raubenmit Bombenlärm, Raketenfeuer?!Ist Frieden denn, statt Krieg, zu teuer?!Entsetzlich - schrecklich - ungeheuer!*Ach, wenn doch du, ich, sie und er,wenn jeder doch nur etwas mehrvom Weihnachtslicht berühret wär’im Denken, Fühlen, Reden, Handeln...wie würde das die Welt verwandelnin Friede, Freude, Liebesglück...und führte uns ein kleines Stückschon heut’ ins Paradies zurück!*So sei von Herzen Dir beschiedenein Menschsein voller Weihnachtsfrieden![Gerwin Degmair]
Liebende
Seit Jahrenaltern beide unter einem Dach.Morgens bewässern sie das Feld,pflücken Blumen.Abendsihre Hand in seiner Hand,den Mond betrachtend,werden sie nie müde.Fuad Rifka Aus: Das Tal der Rituale. Ausgewählte Gedichte
Was du brauchst
du brauchst eine küste, die wellendie anschlagen, du brauchst ein feldeine fläche, die vom windgezeichnet, du brauchst zwei, drei wege, die du gehen kannst, zweirichtungen, ein haus, das ist allesBjörn Kuhligk
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Liebste
28.Oktober 1945Der heranwachsende Duft imGeranientopf, das Rauschen der Meere,der Herbst ist da mit seinen schweren Wolkenund seiner reifen Erde...Liebste, wir sind nicht mehr die Jüngsten.Mir ist,als hätten wir schon die Abenteuereines tausendjährigen Lebens erlebt.Trotzdem sind wir nochKinder mit staunenden Augen,die unter der Sonne Hand in Handbarfuß laufen...(Nâzim Hikmet)
Nebel
Weg im NebelNun wird die Spur der Füße langsam ungetan,Und aus der Tiefe, aus der tiefen Tiefe steigtDas Trübe, schwadengrauer Nebel himmelan.Nun wird der Augen-Aufblick langsam leer,Und aus der Höhe, aus der hohen Höhe neigtDie Wolke sich, sinkt Nebel erdwärts schwer.Nun drängt zu dem verwandten Un-GesichtDas Wesenlose aus den fahlen GründenUnd hebt sich sehnend ins versäumte Licht.Nun flieht, was war: es fliehen Busch und Baum,Flieh'n Berg und Tal, die sich zur Flucht verbünden,Es fliehst du, Herz. Es floh'n die Zeit, der Raum.Land wurde Meer. Meer wurde schwälend Schaum.Ihn schlürft, sich fröstelnd zu entzünden,Das ungelebte Leben und der ungeträumte Traum.Maria Luise Weissmann
Abendlied
Warum, ach sag, warumgeht nun die Sonne fort?Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,das kommt wohl von der dunklen Nacht,da geht die Sonne fort.Warum, ach sag, warumwird unsere Stadt so still?Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,das kommt wohl von der dunklen Nacht,weil sie dann schlafen will.Warum, ach sag, warumbrennt die Laterne so?Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,das kommt wohl von der dunklen Nacht,da brennt sie lichterloh!Warum, ach sag, warumgehn manche Hand in Hand?Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,das kommt wohl von der dunklen Nacht,da geht man Hand in Hand.Warum, ach sag, warumist unser Herz so klein?Schlaf ein, mein Kind, und träume sacht,das kommt wohl von der dunklen Nacht,da sind wir ganz allein.Wolfgang Borchert
Freude
Die Sonne scheint für dich – deinetwegen; und wenn sie müde wird, beginnt der Mond, und dann werden die Sterne angezündet.Es wird Winter, die ganze Schöpfungverkleidet sich, spielt Verstecken, um dich zu vergnügen.Es wird Frühling; Vögel schwärmen herbei, dich zu erfreuen; das Grün sprießt, der Wald wächst schön und steht da wie eine Braut, um dir Freude zu schenken.Es wird Herbst, die Vögel ziehen fort, nicht weil sie sich rar machen wollen, nein, nur damit du ihrer nicht überdrüssig würdest.Der Wald legt seinen Schmuck ab, nur um im nächsten Jahr neu zu erstehen, dich zu erfreuen....All das sollte nichts sein, worüber du dich freuen kannst?Lerne von der Lilie und lerne vom Vogel, deinen Lehrern: zu sein heißt: für heute dasein – das ist Freude.Lilie und Vogel sind unsere Lehrer der Freude."Søren Aabye Kierkegaard
Advent
Der Frost haucht zarte Häkelspitzen Perlmuttergrau ans Scheibenglas. Da blühn bis an die Fensterritzen Eisblumen, Sterne, Farn und Gras. Kristalle schaukeln von den Bäumen, Die letzen Vögel sind entflohn. Leis fällt der Schnee … In unsern Träumen Weihnachtet es seit gestern schon.(Mascha Kaléko)
Engelgebet
Gebet Ich suche allerlanden eine Stadt,Die einen Engel vor der Pforte hat.Ich trage seinen großen FlügelGebrochen schwer am SchulterblattUnd in der Stirne seinen Stern als Siegel.Und wandle immer in die Nacht ...Ich habe Liebe in die Welt gebracht.Daß blau zu blühen jedes Herz vermag,Und hab ein Leben müde mich gewacht,In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest;Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßtUnd sich ein neuer Erdball um mich schließt...Else Lasker- Schüler