Monday, January 29, 2007

Nur das ist dein...

Nur das ist dein, woran du nicht dich kettest.
Du glaubst, du müsstest halten, was du rettest,
doch bleibt nur jenes, das du nicht gesucht.
Und nur die Flucht ist wahr in einem Land,
das flieht vor einem Himmel, der sich wendet,
darinnen alles, was begonnen, endet
und noch kein Ding in sich das Ruhen fand.
Vielleicht ist irgendwo ein ferner Punkt,
um den sich alle unsre Achsen drehen.
Die einen sagen: Gott. - Die andern sehen
nur einen Schimmer, den ein Fremder funkt.

Ehrentraut Helmberg-Lanner

Sunday, January 21, 2007

Schmerz

Tiefgehender Schmerz kann auch ein Weg
der inneren Heilung sein.
Nur wer Schmerz empfinden kann,
spürt, daß er lebt.

Wolfsskin

Weil...

Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken,
Laß mich Dich trösten, so wie man ein Kind
In Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.
Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind,
Dir ihren hellsten Sonnentag zu schenken,
Den schönsten Traum auf Dich herabzusenken,

Weil Deine Nächte so voll Wolken sind.
Und wenn Dein Mund ein neues Lied beginnt,
Dann will ich Meer und Wind und Sonne danken,
Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken

Mascha Kaléko

Friday, January 19, 2007

Momente des Glücks

Französische Sommersprossen

Abstand gewinnen,
Alltag verlieren.
Stille lernen.
Durchatmen,
die Zeit anhalten.
Lichtspiele auf alten Mauern,
Sonnenblumen und Stockrosen
im Wettstreit.
Das Wohlgefühl der Vögel verstehen,
ihren Zwitschersinfonien lauschen.
Der Künstlerin Sonne
bei der Arbeit zusehen
und ihre Wolkenleinwand bewundern.

Zeit für die Liebe.
Leise Bücher lesen
und sich manchmal wiederfinden.
Dem Wind
Geheimnisse anvertrauen.
Seine Nachrichten empfangen.
Wieder staunen können.
Unwichtiges von Wichtigem trennen.
Augenblicke einfangen,
Sie bewahren.

Den Sommer gut riechen können
und ihn einatmen.
Zwischen alten Mauern die Uhr anhalten.
Die Geschichte der Steine hören.
Zeit für die Liebe.
Die stille Heiterkeit
im Land der Sonnenblumen
und die Lust des Augenblicks genießen.
Das Heute schmecken.
Der Sprachmusik der Freunde lauschen.
Vin rouge, baguette und ein bisschen fromage
fürs Glücklichsein genügen lassen.
Am Salz der Brandung lecken
und sich fallen lassen.

Zeit für die Liebe.
Bis zum Horizont sehen
und den eigenen erweitern.
Den Wolken liebe Grüße mitschicken.
Frei und nackt
und ohne Scham
sich der blendenden Brandung ausliefern.
Und täglich Dank empfinden.
Zeit für die Liebe.

Heiner Eckels

Thursday, January 04, 2007

Was ist Leben?

Es ist
das Aufbrechen der Erde im Frühling
der Duft der Blumen im Sommer
das Fallen der Blätter im Herbst
das Flackern einer Flamme
in einer kalten Winternacht

Es ist das sanfte Licht der Sterne
in der Nacht
der verspielte Gischt einer brechenden Welle
das diamantene Funkeln des kristallweißen Schnees
das beherzte Lachen eines Kindes
voller Unschuld

Leben ist aber auch
der leise Flug eines Vogels,
der den Ruf vernimmt
und nun seine Reise antritt....

(Crowfoot)