Tuesday, February 20, 2007

Ich wünsche Dir:

Einen Frühlingstraum im Winter,
Lächeln lausbübischer Kinder,
frechen Wind in deinen Haaren,
Schuhe, die mal Schiffchen fahren,
Stehvermögen und viel Freude,
Ausstrahlung nicht nur für heute
Und auch kleine Melodien,
die durch deine Sinne ziehen,
guten Duft für deine Nase,
eine Rose für die Vase,
Kraft, dein Schicksal zu ertragen
Und im Dunkel nicht verzagen.


Als Stütze zwei starke Hände
Für Träume ein Fluggelände
Erreichen gesteckter Ziel
Zum Leben gute Gefühle
Mut und Kraft in den Zehen
Verzeihen und gutes Verstehen
Täglich ein Wort zum Bewegen
Und reichlich Gottes Segen

Waltraud Thomas

Friday, February 16, 2007

Ich will...

Ich will versuchen,
an die Zeit zu schreiben,
damit sie stillsteht,
wenn du bei mir bist.
Ich will sie bitten,
Gegenwart zu bleiben,
wenn keine Zukunft für uns übrig ist.

Ich will in einer hellen Abendstunde
mit dir zum nahen Sternhimmel sehn
und will mit deinem Mund an meinem Munde
durch tausendeine unsrer Nächte gehn.
Ich will die Arme um dein Lachen legen
und es beschützen vor der Traurigkeit.
Ich will auf sonnenwarmen Wiesenwegen,
den Zauber in uns spüren,
den Zauber der Vollkommenheit.

Ich will mitunter an dein Wesen rühren,
in einer Sprache, die das Wort umgeht.
Ich will dich liebend zu dir selbst verführen
wie ein Gedicht, in dem dein Name steht.

Cathy Palmer

Thursday, February 15, 2007

Ein Mann und eine Frau

EIN MANN UND EINE FRAU

In einem alten Haus
ein Mann und eine Frau.
Seit Jahrzehnten
wachen sie zusammen,
zählen die Sterneund lachen.
Von einer Nacht zur anderen
flüstern sie miteinander,
in ihr Haar pflanzt er Knospen,
in sein Haar pflanzt sie Früchte.
Zwischen ihnen und den Enkeln
das Brausen der Stürme.

Fuad Rifka
Aus: Das Tal der Rituale.
Ausgewählte Gedichte

Die Tage des Lebens

Die Tage des Lebens

Die Tage des Lebens lehrten mich,
was ich aus Büchern nie erfuhr,
was ihre Seiten mir verschwiegen.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
was ich vergeblich zu erkennen suchte
Durch Studium und Forschung.

Die Tage des Lebens offenbarten mir,
was das Herz in seinem Innern verbirgt
und das Auge in seinen Tiefen zurückhält.

Die Tage des Lebens zeigten mir,
dass statt Menschen Füchse
in Schlössern und Ämtern hausen.

Ihr tägliches Brot ist die Lüge,
in ihren Herzen wohnt die Heuchelei,
und ihre Zungen verströmen Gift.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass Ausharren im Leid uns stärkt
und das Überwinden einer Schwierigkeit
uns ermutigt.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass Reichtum eine Fessel ist
und Armut ein Besitz.

Die Tage des Lebens haben mir gezeigt,
dass ich Väter habe,
die mich nicht zeugten,
Mütter,
die mich nicht zur Welt brachten,
Brüder und Schwestern,
die zum gleichen Ziel unterwegs sind.

Die Tage des Lebens haben mich gelehrt,
dass ich Freunde
und Weggenossen habe
auf meinem Weg durch die Nacht.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass unser das Morgen ist,
dem wir gemeinsam entgegengehen.

Angefüllt von Erinnerungen
Ist das Leben,
und die Erinnerung
ist eine Form der Begegnung.

Simon Yussuf Assaf

Jemanden richtig liebhaben

Fest umschlingen.
Leise klingen.
Atem tauschen.
Seufzern lauschen.
Wenig sagen.
Alles wagen.
Welt beglücken!
Nicht erdrücken.
Sanfter fassen.
Gehen lassen.

Manfred Streubel
Gedicht (nicht nur) für Kinder

Friday, February 02, 2007

Liebe

Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die ganz gleiche Weise. Das ist unmöglich. Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im alltäglichen Auf und Ab - in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.

Anne Morrow Lindbergh aus Muscheln in meiner Hand