Es gibt zehn starke Dinge.
Eisen ist stark, doch schmilzt es im Feuer.Feuer ist stark, doch das Wasser löscht es.Wasser ist stark, doch Wolken verwandeln es in Dampf.Wolken sind stark, doch der Wind vertreibt sie.Der Mensch ist stark, doch die Angst wirft ihn nieder.Die Angst ist stark, doch der Schlaf überwindet sie.Der Schlaf ist stark, doch der Tod ist stärker.Herzensgüte aber übersteht auch den Tod.(Der Talmud)
Danke!
Du kannst darüber weinen, dass sie gegangen ist,oder du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.Du kannst deine Augen schließen und beten, das sie wiederkommt,oder du kannst sie öffnen und sehen,was sie zurückgelassen hat.Dein Herz kann leer sein, weil du sie nicht sehen kannst,oder es kann voll der Liebe sein, die sie für dich und andere hatte.Du kannst immer daran denken, dass sie gegangen ist,oder du kannst sie im Herzen tragen und in dir weiterleben lassen.Du kannst weinen und ganz leer seinOder du kannst tun, was sie von dir wollte:Dass du lächelst, deine Augen öffnest,Liebe gibst und weitergehst.(Autor mir unbekannt)
Für eine liebe Freundin (G.B.M.) Danke!
Segen der BegegnungEs gibt Begegnungen,in denen alles in dir hell wird,die deine Seele aufleuchten lassen,als stünde ein Engelim Raum.Ich wünsche dirdas Geschenk solcherheiligen Augenblicke,in denen dir das Licht des Himmelsmitten ins Herz scheint.Christa Spilling Nöcker
Segen
Noch einen SommerNoch einen Sommer schenk mir ZeitIch will mich hinabwurzelnins dunkle Erdbettvom tiefen Brunnenzu trinken.Noch einen Sommer schenk mir ZeitIch will das Licht sehnenund aufragenbis die Betondeckespringt.Noch einen Sommerhab Geduldein wenig noch.Ich werd mich dir von meinen Zweigen wegin deine goldene Schale pflückenSo segne mich denn.
Mutmach Segen
Höre auf die Stimmedes Engelsund folge dem Rufdeines Herzensder dichmit dir selbst ans Ziel bringen willauch wenn der Weg unbequem ist,beschwerlichund weit.Am Ende aber leuchtet dir ein Landvoller SegenChrista Spilling Nöker
Abschied von H.
SchnittstelleManchmal muss ich loslassenmuss mich schmerzhaft verabschiedenwerde in die Fremde gezwungendamit NeuesRaum bekommtder nächste Schrittder weiter führt.Abschiedist Anfangist Lust und TrauerSehnsucht und SchmerzAbschied und AnfangSchnittstellenmenschlichen LebensWunden in die sich das Leben einzeichnetAndrea Schwarz
Sehnsucht
Das Wesen der Sehnsuchtist nicht die Qual unerfüllten Seins.Sie ist ein Ortder stillen, tiefen Freudeam Spielum die Freiheitdes Geschehenlassens.Hans Kruppa
Eine Feder
Eine Feder, die durch die geöffnete Balkontür bald herein, bald heraus weht, als wüsste sie nicht , was sie einlösen soll, ein Versprechen oder einen Fluch oder eine Illusion, oder ein Versäumnis, oder einen Schwur, was kann trauriger undzugleich stolzer sein,als eine einsame Feder,ganz gleich, wofür sie sich entscheidet, und ob sie von einem Flügelaufgegeben wurde oder sich eigenwilligvon einem Flügel löste?Franz Hodjak
Der Weg
Niemand kann dir die Brücke bauen,
auf der du gerade über den Fluß des Lebens schreiten mußt,
Niemand außer dir allein.
Zwar gibt es zahllose Pfade und Brücken und Halbgötter,
die dich durch den Fluß tragen wollen, aber nur um den Preis deiner selbst:
du würdest dich verpfänden und verlieren.
Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann außer dir:
Wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn.
(Friedrich Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen)
Zum Abschied für Heidi
Tschüs
Es ist soweit,
aus und vorbei,
alles ist gesagt,
wir sind beide auf dem Grund.
Willst du
wirklich gehen?
Ich weiß, ich frage dich nicht mehr,
am besten ist, ich halte meinen Mund.
Doch da ist so ein Scheiß Gefühl,
das sagt, ich halt dich fest,
du sollst bleiben, sagt es mir,
du darfst nicht gehen.
Es zerreißt mich fast,
erinnert mich
an alte Kinderzeit,
da ließen sie mich
auch schon mal so stehn.
Sei lieb zu deiner Seele,
schütze sie, sie ist ein Kind,
tu dir nicht noch selber weh,
das haben andere schon getan,
wir gehen fort und kommen wieder an.
Du bist mir doch nichts schuldig,
hör doch auf,
und wenn du gehst, dann bloß nicht wie ein Mann.
Setz dich doch noch einmal hin,
ich weiß, es tut dir weh,
ich hätte nur gern auch etwas getan.
Erst kommt die Wut,
dann die Trauer
und vielleicht vergeß ich dich,
und der Schmerz geht sicher irgendwann vorbei,
so wie du mich allmählich
aus den Träumen drängen wirst,
um offen für das Leben zu sein.
Tschüs, machs gut,
tschüs, bleib gesund,
tschüs, auch wenn es mich zerreißt,
ich laß dich gehen.
Tschüß, tschüß,
bleib gesund.
Tschüß, tschüß,
schreib mir mal,
was du machst und
was du anhast,
wie es dir geht.
Ich weiß, es ist ein Traum, so zu gehen.Klaus Hoffmann aus Ciaobella
An den Mistral
Mistral
- Wind, du Wolken - Jäger, Trübsal - Mörder,
Himmels - Feger, Brausender, wie lieb ich dich!
Sind wir zwei nicht
Eines Schoßes Erstlingsgabe,
Eines Loses Vorbestimmte ewiglich?
Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Über wilde Meere springst.
Friedrich Nietzsche
Der Weg
Bedenke: Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben.Augustinus Aurelius (354 - 430), Bischof von Hippo, Philosoph, Kirchenvater und Heiliger
Wurzeln
Ziehende Landschaft Man muß weggehen könnenund doch sein wie ein Baumals bliebe die Wurzel im Boden,als zöge die Landschaft und wir ständen fest.Man muß den Atem anhalten,bis der Wind nachläßtund die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,bis das Licht von Spiel und Schatten,von Grün und Blau,die alten Muster zeigtund wir zuhause sind,wo es auch sei,und niedersitzen können und uns anlehnen,als sei es an das Grabunserer Mutter.Hilde Domin
Auf der Suche
AUF DER SUCHE NACH DIRÜberall habe ich dich gesucht:hinter deinem versteckten Lächeln, zwischen den Briefzeilen, über den weißen Schäfchenwolken, unter der warmen Decke. Da und dort habe ich dich vermutet. Aber du warst spurlos verschwunden.Ich suchte dich im Garten meiner Träume, im Schloß meiner Erinnerungen, im Boot meiner Hoffnungen. Vergeblich.Als ich meine Suche aufgab, warst du plötzlich wieder da. Ich hatte verzeih mir meine Dummheit ich hatte vergessen, daß du mir ja bereits ans Herz gewachsen warst. Ernst Ferstl, (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker
Fliegen
Fliegen ich würde gerne fliegen
der Sonne entgegen
hoch hinaus
auf eigenen Wegen
die Sonne wärmt michkann den Himmel berühren
ich sehe die Erde
kann Freiheit spüren
fühle die Sehnsucht
nach einer bessren Welt
Wind bläst mir ins Gesicht
der Schleier fällt
ich bin wie ich bin
und bin es doch nicht
weit überm Horizont
ich sehe mein wahres Gesicht
unsagbare Freude
tiefer Schmerz
mein wahres Gesicht
es bricht mir mein Herz
ich bin wieder hier
war niemals fort
bin nur geflogen
an einen anderen Ort
Ein Liebesgedicht
An M.Der du meine Wege mit mir gehst.Jede Laune meiner Wimper spürst,Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst –Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?Wenn ich tot bin darfst du gar nicht trauern.Meine Liebe wird mich überdauernUnd in fremden Kleidern dir begegnenUnd dich segnen.Lebe, lache gut!Mache deine Sache gut! (Joachim Ringelnatz)
Erinnerung
Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest. Rainer Maria Rilke
Traurigkeiten
Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden.Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.. . . . . . . . . .Rainer Maria Rilke(aus einem Brief an den jungen Dichter Franz Xaver Kappus)