Thursday, July 05, 2007

Zuversicht

Du bist so jung
wie deine Zuversicht____________________

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt
-sie ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie,Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über die Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.
Niemand wird alt,wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.
Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen,
Angst und Hoffnungslosigkeit,
das sind die langen, langen Jahre
die das Haupt zur Erde ziehen
und den aufrechten gang in den Stab beugen.
Ob siebzig oder siebzehn,im Herzen eines jeden Menschen
wohnt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren
das erhebende Staunen,
beim Anblick der ewigen Sterne und der ewigen Gedanken und Dinge,
das furchtlose Wagnis,die unersättliche, kindliche Spannung,
was der nächste Tag bringen möge,
die ausgelassene Freude und Lebenslust.
Du bist so jung wie deine Zuversicht,
so alt wie deine Zweifel.
So jung wie deine Hoffnung,so alt wie deine Verzagtheit.
Solange die Botschaftender Schönheit, Freude, Kühnheit, Größe, Macht
von der Erde den Menschen und dem Unendlichen
dein Herz erreichen,solange bist du jung.
Erst wenn die Flügel nach unten hängen
und das Innere deines Herzensvom Schnee des Pessimismus
und dem Eis des Zynismusbedeckt sind,
dann erst bist du wahrhaftig alt geworden.

Albert Schweitzer

Für und von Gerwine

Behüt' dich Gott

Das ist im Leben häßlich eingerichtet,
daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn,
und was das arme Herz auch sehnt und dichtet,
zum Schlusse kommt das Voneinandergehn.

In deinen Augen hab’ ich einst gelesen,
es blitzte drin von Lieb und Glück ein Schein:
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,
behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.

Leid, Neid und Haß, auch ich hab’ sie empfunden,
ein sturmgeprüfter müder Wandersmann.
Ich träumt’ von Frieden dann und stillen Stunden,
da führte mich der Weg zu dir hinan.

In deinen Armen wollt’ ich ganz genesen,
zum Danke dir mein junges Leben weih’n.
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,
behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.

Die Wolken flieh’n, der Wind saust durch die Blätter,
ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld,
zum Abschiednehmen just das rechte Wetter,
grau wie der Himmel steht vor mir die Welt.

Doch, wend’ es sich zum Guten oder Bösen,
du schlanke Maid, in Treuen denk’ ich dein.
Behüt' dich Gott, es wär zu schön gewesen,

behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein.

Viktor von Scheffel

Ich denk an dich!

Monday, May 14, 2007

Leicht und schwer

Was unser Geist der Wirrnis abgewinnt,
kommt irgendwann Lebendigem zugute;
wenn es auch manchmal nur Gedanken sind.
Sie lösen sich in jenem großen Blute,
das weiterrinnt....

Und ist's Gefühl:
wer weiß, wie weit es reicht
und was es in dem reinen Raum ergibt,
in dem ein kleines Mehr von schwer und leicht
Welten bewegt und einen Stern veschiebt.

Rainer Maria Rilke

Tuesday, February 20, 2007

Ich wünsche Dir:

Einen Frühlingstraum im Winter,
Lächeln lausbübischer Kinder,
frechen Wind in deinen Haaren,
Schuhe, die mal Schiffchen fahren,
Stehvermögen und viel Freude,
Ausstrahlung nicht nur für heute
Und auch kleine Melodien,
die durch deine Sinne ziehen,
guten Duft für deine Nase,
eine Rose für die Vase,
Kraft, dein Schicksal zu ertragen
Und im Dunkel nicht verzagen.


Als Stütze zwei starke Hände
Für Träume ein Fluggelände
Erreichen gesteckter Ziel
Zum Leben gute Gefühle
Mut und Kraft in den Zehen
Verzeihen und gutes Verstehen
Täglich ein Wort zum Bewegen
Und reichlich Gottes Segen

Waltraud Thomas

Friday, February 16, 2007

Ich will...

Ich will versuchen,
an die Zeit zu schreiben,
damit sie stillsteht,
wenn du bei mir bist.
Ich will sie bitten,
Gegenwart zu bleiben,
wenn keine Zukunft für uns übrig ist.

Ich will in einer hellen Abendstunde
mit dir zum nahen Sternhimmel sehn
und will mit deinem Mund an meinem Munde
durch tausendeine unsrer Nächte gehn.
Ich will die Arme um dein Lachen legen
und es beschützen vor der Traurigkeit.
Ich will auf sonnenwarmen Wiesenwegen,
den Zauber in uns spüren,
den Zauber der Vollkommenheit.

Ich will mitunter an dein Wesen rühren,
in einer Sprache, die das Wort umgeht.
Ich will dich liebend zu dir selbst verführen
wie ein Gedicht, in dem dein Name steht.

Cathy Palmer

Thursday, February 15, 2007

Ein Mann und eine Frau

EIN MANN UND EINE FRAU

In einem alten Haus
ein Mann und eine Frau.
Seit Jahrzehnten
wachen sie zusammen,
zählen die Sterneund lachen.
Von einer Nacht zur anderen
flüstern sie miteinander,
in ihr Haar pflanzt er Knospen,
in sein Haar pflanzt sie Früchte.
Zwischen ihnen und den Enkeln
das Brausen der Stürme.

Fuad Rifka
Aus: Das Tal der Rituale.
Ausgewählte Gedichte

Die Tage des Lebens

Die Tage des Lebens

Die Tage des Lebens lehrten mich,
was ich aus Büchern nie erfuhr,
was ihre Seiten mir verschwiegen.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
was ich vergeblich zu erkennen suchte
Durch Studium und Forschung.

Die Tage des Lebens offenbarten mir,
was das Herz in seinem Innern verbirgt
und das Auge in seinen Tiefen zurückhält.

Die Tage des Lebens zeigten mir,
dass statt Menschen Füchse
in Schlössern und Ämtern hausen.

Ihr tägliches Brot ist die Lüge,
in ihren Herzen wohnt die Heuchelei,
und ihre Zungen verströmen Gift.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass Ausharren im Leid uns stärkt
und das Überwinden einer Schwierigkeit
uns ermutigt.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass Reichtum eine Fessel ist
und Armut ein Besitz.

Die Tage des Lebens haben mir gezeigt,
dass ich Väter habe,
die mich nicht zeugten,
Mütter,
die mich nicht zur Welt brachten,
Brüder und Schwestern,
die zum gleichen Ziel unterwegs sind.

Die Tage des Lebens haben mich gelehrt,
dass ich Freunde
und Weggenossen habe
auf meinem Weg durch die Nacht.

Die Tage des Lebens lehrten mich,
dass unser das Morgen ist,
dem wir gemeinsam entgegengehen.

Angefüllt von Erinnerungen
Ist das Leben,
und die Erinnerung
ist eine Form der Begegnung.

Simon Yussuf Assaf

Jemanden richtig liebhaben

Fest umschlingen.
Leise klingen.
Atem tauschen.
Seufzern lauschen.
Wenig sagen.
Alles wagen.
Welt beglücken!
Nicht erdrücken.
Sanfter fassen.
Gehen lassen.

Manfred Streubel
Gedicht (nicht nur) für Kinder

Friday, February 02, 2007

Liebe

Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die ganz gleiche Weise. Das ist unmöglich. Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im alltäglichen Auf und Ab - in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.

Anne Morrow Lindbergh aus Muscheln in meiner Hand

Monday, January 29, 2007

Nur das ist dein...

Nur das ist dein, woran du nicht dich kettest.
Du glaubst, du müsstest halten, was du rettest,
doch bleibt nur jenes, das du nicht gesucht.
Und nur die Flucht ist wahr in einem Land,
das flieht vor einem Himmel, der sich wendet,
darinnen alles, was begonnen, endet
und noch kein Ding in sich das Ruhen fand.
Vielleicht ist irgendwo ein ferner Punkt,
um den sich alle unsre Achsen drehen.
Die einen sagen: Gott. - Die andern sehen
nur einen Schimmer, den ein Fremder funkt.

Ehrentraut Helmberg-Lanner