Versöhnung
Viel des Versöhnenden geschieht auch jetzt
Verborgen zwar, so daß wir´s kaum gewahren
Und wenig achten in der allgemeinen
Verfinsternis. Und wie Blitz und Donner
Das Säuseln untergeht, die leise Stimme
Des Windes im Gezweig, der Atem Gottes
Und ist doch immer da, ein dringlich Flüstern
So will auch Liebe nicht verabsäumt werden
Und lebt und hebt sich immer wieder zitternd
Wie eine helle Blume, die von den Wolken
Des Hasses überschattet unablässig
Den Kelch zum Lichte endet, daß sie fände
Den süßen Strahl und blühte in der Stille.
Denn Stille ist noch in der Welt und Schweigen
Im Niemandsland am fremden Flußgestade
Und sanfter nach den Schlachten Ungewitter
Und glühender umkreisen die Gedanken
Das liebe Angesicht, daß sich neige
Und, lang verloren, wunderbar erglühe.
Und so, von dunklen Mächten abgezwungen
Genährt vom Strome der Erinnerungen
Die Blume blühe.
Marie Luise Kaschnitz
Verborgen zwar, so daß wir´s kaum gewahren
Und wenig achten in der allgemeinen
Verfinsternis. Und wie Blitz und Donner
Das Säuseln untergeht, die leise Stimme
Des Windes im Gezweig, der Atem Gottes
Und ist doch immer da, ein dringlich Flüstern
So will auch Liebe nicht verabsäumt werden
Und lebt und hebt sich immer wieder zitternd
Wie eine helle Blume, die von den Wolken
Des Hasses überschattet unablässig
Den Kelch zum Lichte endet, daß sie fände
Den süßen Strahl und blühte in der Stille.
Denn Stille ist noch in der Welt und Schweigen
Im Niemandsland am fremden Flußgestade
Und sanfter nach den Schlachten Ungewitter
Und glühender umkreisen die Gedanken
Das liebe Angesicht, daß sich neige
Und, lang verloren, wunderbar erglühe.
Und so, von dunklen Mächten abgezwungen
Genährt vom Strome der Erinnerungen
Die Blume blühe.
Marie Luise Kaschnitz

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